Shearman & Sterling LLP | Student Meets Practice | Die vierte Woche  | 12.09. - 16.09.2016 | Anna Götzl
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Erfahrungsberichte
  • Die vierte Woche  | 12.09. - 16.09.2016 | Anna Götzl
     
    Inzwischen ist nun schon die vierte Praktikumswoche fast vorüber und, wie schon die vorherigen, wie im Flug vergangen. Wieder gab es viel Neues und Spannendes zu lernen und zu erleben, insbesondere da am Mittwoch den 14.09. der Moot Court für und von uns Praktikanten, mein persönliches Programmhighlight, stattfinden sollte.

    Doch zunächst einmal allgemein: Ich bin der Praxisgruppe „Finance“ in München zugeteilt und darf im Team von Herrn Winfried Carli und Herrn Dr. Matthias Weissinger mitarbeiten. Hierbei bekomme ich einen Einblick in das vielfältige Gebiet des Finanzierungsrechts, im Rahmen dessen es beispielsweise um Akquisitionsfinanzierungen (sog. Levereged Buyouts), Immobilien-/Assetfinanzierungen, Schuldscheindarlehen oder Projektfinanzierungen geht (diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen). Ich wusste zwar schon vor Beginn des SmP-Programms, dass ich nach München gehen und damit der Praxisgruppe „Finance“ zugeteilt sein würde – dennoch ging ich dieser Arbeit mit gemischten Gefühlen entgegen. Denn mit den im Finanzierungsrecht vorherrschend angewendeten Rechtsgebieten Darlehensrecht, Sachenrecht (und dabei insbesondere Kreditsicherungsrecht), Insolvenzrecht, BankaAufsichtsrecht und Gesellschaftsrecht hatte ich in meiner universitären Ausbildung größtenteils noch keine Erfahrung gemacht. Auch kann es in diesem Rechtsgebiet nicht schaden, über Grundkenntnisse der Wirtschaftswissenschaften, insbesondere der BWL, zu verfügen. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass diesem „Problem“ mit der Learning-by-doing-Methode effektiv entgegengewirkt werden konnte. Ich bekam verschiedenste Arbeitsaufträge und war überrascht, wie viel man sich inhaltlich und strukturell selbst erschließen konnte, sodass jeder einzelne eine sehr lehrreiche Tätigkeit war, der mich dem Finanzierungsrecht näher gebracht hat. Weitergehende Verständnislücken ließen sich durch eigene Recherche oder erneutes Nachfragen schnell schließen. So hatte ich neben verschiedenen Rechercheaufträgen im Bereich des Darlehensrechts einige Legal Opinions (Rechtsgutachten), den Beitrag zu einem Paragraphen deseiner Recherche zur Restrukturierung von Anleihen in der Insolvenz nach dem Schuldverschreibungsgesetzes für einen Online-Kommentar und den Entwurf für ein Share Pledge Agreement (Vertrag über die Verpfändung von Geschäftsanteilen) zu erstellen und bekam einen Einblick in die Arbeit mit Grundbüchern und Handelsregisterauszügen. In die das eingespielte Gruppe des Münchner-Teams wurde ich dabei von Anfang an vollwertig mit eingebunden und integriert, was die Arbeit ungemein erleichterte und für zusätzlichen Spaß sorgte.

    Die vierte Woche des Praktikums begann jedoch nicht mit Arbeit für die Praxisgruppe, sondern zunächst mit der Vorbereitung auf den Moot Court. Ich hatte es zuvor nicht einräumen können, mich detailliert mit der Fallakte, den Schriftsätzen und dem zusätzlichen Material, das uns zur Verfügung gestellt wurde, auseinanderzusetzen, sodass mir jetzt zwei Tage der intensiven Bearbeitung bevorstanden (getreu dem Motto: im echten Berufsleben hat man auch nicht unendlich Zeit). Im Rahmen des SmP-Programms wird jedes Jahr ein kanzleiinterner Moot Court ausgerichtet, an dem wir Praktikanten jeweils in Zweierteams gegeneinander antreten und so wichtige Softskills wie freie Rede, strukturelles Plädieren, Argumentationskultur und natürlich nicht zuletzt das Überwinden eigener Ängste und Hemmungen erlernen und trainieren sollen. Der zugrunde liegende Fall ist einer des Wilhelm C. Vis Moot aus dem Jahr 2008, den wir vollständig, also auch inklusive zweier Schriftsätze, ausgehändigt bekamen. Die der mündlichen Phase eines Moot Courts normalerweise vorangehende Phase der Schriftsatzerstellung fiel für uns damit weg. Aufgabe war allein, sich anhand der vorliegenden Unterlagen auf das mündliche Pleading vorzubereiten und dieses dann im direkten Gegenüber mit den Schiedsrichtern durchzuführen.

    Ich habe bereits im Rahmen der weiterführenden Fremdsprachenausbildung „English for Laywers“, die ich an meiner Universität absolviere, an einem Rhetorikkurs zur Aneignung von „Moot Court and Trial Skills“ erfolgreich teilgenommen und war sehr gespannt, die dort erlernten Grundkenntnisse direkt in die Praxis umsetzen zu können. 

    Schnell wurde jedoch klar, dass sich diese Aufgabe als nicht ganz so einfach wie erwartet herausstellen würde. Auch wenn ich mich persönlich auf das Pleading freute, war es dennoch zunächst verwirrend, die englischen Unterlagen als Grundlage eines Pleadings in deutscher Sprache zu bearbeiten, auch da mir gängige Phrasen der mündlichen Präsentation zwar im Englischen, nicht jedoch im Deutschen geläufig waren. Zudem gestaltete es sich schwieriger als gedacht, die eigene mündliche Argumentation auf fremden Schriftsätzen aufzubauen. Und so wuchs die Spannung auf den bevorstehenden Moot Court. 

    Am Mittwochmorgen war die Stimmung unter uns Praktikanten überraschend gelassen, wir alle hatten Lust, uns mündlich auszuprobieren, sahen das Ganze jedoch vorrangig als Übung und weniger als internen Konkurrenzkampf. Der Moot Court wird in drei Runden ausgetragen, die erste dient der Übung und des Sich-Ausprobierens, sie wird nicht bewertet. Sodann folgt eine „Wettbewerbsrunde“, in der noch alle Teams im Rennen sind, und im Anschluss das Finale mit den beiden besten Teams des vorangegangenen Durchlaufs. Die Übungsrunde am Vormittag lief bei mir am besten, da ich noch sehr konzentriert war. Ich musste die Struktur meines Pleadings spontan zwar größtenteils umwerfen und sah mich mit vielen Fragen der Richterbank konfrontiert, dennoch empfand ich diesen Vortrag als recht erfolgreich. Zwischen der nächsten, jetzt bewerteten Runde, lag das Mittagessen, anschließend ging es gestärkt weiter.

    Letzten Endes zog ich mit meinem Team zwar nicht in die Finalrunde ein, für mich war die Veranstaltung dennoch ein voller Erfolg. Es hat großen Spaß gemacht, mündlich zu plädieren und sowohl mit der Gegenseite wie auch mit der Richterbank zu interagieren. Auch konnte ich schon gelerntes gut umsetzen und im Umkehrschluss neue Schwächen meiner mündlichen Präsentation erkennen, an denen ich weiter arbeiten kann. Alles in allem war der Moot Court für uns alle eine sehr lehrreiche und lustige Veranstaltung, sodass ich allen zukünftigen SmPler-Mooties nur sagen kann: freut euch darauf und genießt es, wenn es einmal soweit ist! 

    Gekrönt wurde der Tag mit einem gemeinsamen Abendessen mit den Anwälten und Referendaren in einem schicken Restaurant in der Innenstadt. Bei ausgezeichnetem Essen und gutem Wein ließen wir in lockerer Runde den Abend ausklingen. 

    Zurück in Münchenim Büro am nächsten Tag erwartete mich weitere Arbeit, die ich in die letzte Woche des Praktikums mitnehmen werde. Ein neuer Arbeitsauftrag bietet mir die Gelegenheit, nochmal neues zu erlernen und verspricht eine lehrreiche letzte Woche des Praktikums. Ich bin gespannt was noch kommt! 

    Insgesamt bin ich sehr froh, mich für das Praktikantenprogramm „Student meets Practice“ beworben zu haben und bin Shearman & Sterling sehr dankbar für dieses abwechslungsreiche Praktikum mit vielen Einblicken in außerordentlich freundlichen und offenen Teams. 
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