Die sechste Praktikumswoche
26. - 30. September 2011
Marc Dietrich, Düsseldorf
Nach nun schon fünf Wochen treffe ich am Montagmorgen zur sechsten und letzten Woche meines Praktikums im Büro ein. Wie auch in den letzten Wochen mache ich mich auf den Weg zum Paternoster und damit in die zehnte Etage des Düsseldorfer Büros. Oben angekommen, werde ich von den schon Anwesenden mit einem herzlichen „Guten Morgen“ empfangen, ich hole noch schnell einen Kaffee und dann geht’s an die Arbeit.
Mir gefällt, dass man sehr gut von den Kollegen in die Arbeit eingebunden wird – es kann durchaus auch einmal sein, dass man von einem anderen Anwalt als dem Mentor eine Aufgabe bekommt. So auch an diesem Montag, an dem mich ein Associate der neunten Etage für den Rest des Tages beschäftigt halten wird. Zuerst bekomme ich die Aufgabe, die Einladung und das Protokoll einer Hauptversammlung einer AG auf Übereinstimmung zu überprüfen. Daran schließt sich die Zusammenfassung eines Urteils für den M&A-Newsletter an. Nach dem Mittagessen mit den anderen Praktikanten nehme ich an der letzen Praxisgruppenvorstellung der Gruppe „Antitrust“ durch Herrn Sebastian Krujatz per Videokonferenz aus dem Brüsseler Büro teil. Danach geht es zurück zum Arbeitsplatz und ich werde für den Rest des Nachmittags mit einer Recherche zum Thema Untervollmachtserteilung bei der SE betraut.
Am nächsten Tag werde ich sofort mit einer eiligen Recherche zum Rechtsausschuss des Bundestages beauftragt, die ich auch schnellstmöglich erledige. Nachdem dies geschafft ist, übergibt man mir eine Stellungnahme zum KapMuG, welche ich Korrektur lesen soll. Wie jeden Dienstag – aber leider zum letzten Mal – geht es mit den Kollegen in die Brauerei „Zum Schiffchen“ zum Mittagessen, eine, wie ich finde, sehr schöne Idee, die das Miteinander im Büro fördert. Zurück im Büro, bekomme ich von meinem Mentor eine Liste, welche ich vor einiger Zeit erstellt hatte. Sie enthält die Genehmigungen, die ein Mandant für ein Projekt im Laufe der Zeit erhalten hat. Es sind neue Dokumente angekommen und ich soll die Liste damit vervollständigen. Nachdem ich dies geschafft habe, wende ich mich noch einmal der Recherche zur Untervollmachtserteilung in der SE zu, da ich damit am vorherigen Tag nicht fertig geworden war.
Am Mittwochmorgen zeigt sich wieder einmal, wie vielfältig die Arbeit in der Abteilung European Corporate ist. Ich soll etwas über einen Anbieter von Datenräumen, die man zum Sammeln der Dokumente bei einer Übernahme benutzt, herausfinden und mir danach noch einen Document Request ansehen. Anschließend gibt man mir einen Due Diligence Report, bei dem ich prüfen soll, ob alle Anlagen auch korrekt eingearbeitet wurden. Zum Mittagessen treffe ich mich mit meinem Mentor – es geht zum Italiener. Dort besprechen wir das Praktikum, die Kanzlei, wie es mir gefallen hat. Wir beschließen, das schöne Wetter zu nutzen und noch bei Starbucks einen Kaffe trinken zu gehen. Wieder im Büro, geht es weiter mit dem Due Diligence Report. Diesmal gibt man mir noch eine andere Version und ich schaue, ob auch alle angedachten Änderungen umgesetzt wurden. Am Abend treffe ich mich mit meinen Mitpraktikanten und den Referendaren auf der Ratinger Straße. Als wir ankommen, ist die Straße schon so voll mit Menschen, dass wir kaum einen Platz zum Stehen (!) bekommen. Schließlich finden wir aber ein Plätzchen und lassen den Tag bei einem Glas Alt ausklingen. Damit ist der Zenit der letzten Woche auch schon überschritten. Kaum zu glauben, wie schnell die Tage vergehen.
Der Donnerstag steht ganz im Zeichen des Baurechts. Baurecht?! – Baurecht. Wieder bin ich über die Vielfalt der Rechtsgebiete erstaunt, mit denen man bei der Arbeit in der Abteilung European Corporate in Berührung kommt. Es geht um die Abstandsflächen, die beim Bau von Gebäuden einzuhalten sind. Am Abend findet auf der Terrasse der fünften Etage der Abschied der Kollegen Andre Nolting und Matthias Decker mit Speis’ und Trank statt.
Freitag. Letzter Tag. Schade. Der Tag beginnt wie immer, doch es ist mir bewusst, dass dies der vorerst letzte Tag bei Shearman & Sterling sein wird. Schnell recherchiere ich noch zur praktischen Durchführung der Übertragung von Anteilen einer GmbH.
Um 11 Uhr werden die anderen Praktikanten und ich durch Dr. Marco Sustmann verabschiedet. Zum Mittag treffen sich alle auf der fünften Etage zum Brain-Lunch, bei dem Bastian Kornau einen Vortrag zu dem Thema „Investorenvereinbarungen“ hält. Am Nachmittag schreibe ich noch einen kurzen Teaser für den M&A-Newsletter über die vor kurzem erschienenen Surveys, die Shearman & Sterling zur Coporate Governance in den 100 größten Unternehmen der USA durchgeführt hatte. Schließlich gibt man mir noch einen Bericht über eine Gerichtsverhandlung zum Korrekturlesen. Damit endet mein Praktikum bei Shearman & Sterling. Ich gebe meinen Schlüssel ab, verabschiede mich noch bei meinen Kollegen und Mitpraktikanten und fahre zum letzten Mal mit dem Paternoster hinunter zur Lobby.
Was bleibt, ist die Erinnerung an ein Praktikum, in dem ich viele Erfahrungen und Einblicke in die tägliche Praxis einer internationalen Kanzlei sammeln durfte, viel gelernt habe und feststellte, dass die Arbeit in einer solchen Kanzlei zwar anspruchsvoll und fordernd, aber auch sehr interessant und doch kein Zauberwerk ist.
Christopher Weidt, Düsseldorf
Als einziger Praktikant der Praxisgruppe Antitrust pflegte ich sowohl rechtstechnisch als auch räumlich ein gewisses Außenseiterdasein. Auf die Frage der M&A-Associates, auf welcher Etage ich sei, reagierten die Kollegen stets mit einer Mischung aus Belustigung und Mitleid. Kein Wunder, denn schließlich bestand das gesamte 6. Stockwerk des Düsseldorfer Kanzleigebäudes nur aus zwei Antitrust-Anwälten, einer weiteren M&A-Praktikantin und mir.
Die meisten Kollegen im Kartellrecht kannte ich nur aus zahlreichen Telefongesprächen ins Ausland. Um dies zu ändern, entschieden meine Mentoren, dass ich zwei Tage im Brüsseler Büro von Shearman & Sterling verbringen sollte, wo das internationale Kartellrechtsteam zu Hause ist. Ein Chauffeur brachte uns am Dienstagmorgen nach Belgien. Die Kollegen nahmen mich sofort herzlich auf – zum Glück auf Englisch und nicht auf Französisch. Im Verlauf des Tages arbeitete ich dann an einem kartellrechtlichen Empfehlungsschreiben für eine Mandantin („Ist das Eintreten einer weiteren Muttergesellschaft in ein Teilfunktionsunternehmen als Akt der Gründung anzusehen?“). Abends war dann noch Zeit für einen Spaziergang über das riesige Gelände des beeindruckenden Europäischen Parlaments sowie für ein Getränk und belgische Pommes mit den Kollegen. Am nächsten Tag wurde die Arbeit am Empfehlungsschreiben fortgesetzt, anschließend ging es mit dem ICE zurück nach Deutschland.
Auch die letzten beiden Tage im Düsseldorfer Büro verliefen für alle Praktikanten nach Maß. Am Donnerstag gab es nach der Arbeit eine Abschiedsfeier von zwei Associates. Den Freitag nutzten wir, um uns mit Kuchen und Pralinen von den Kollegen zu verabschieden. Das Schlusswort hatte Dr. Sustmann, der allen Praktikanten für ihr Engagement und die Mitarbeit dankte.
Auch ich bedanke mich herzlich für die tolle Zeit im Düsseldorfer und Brüsseler Büro. Meine Erwartungen an eine Großkanzlei wurden noch übertroffen, denn die Kollegen glänzten bei Fragen zu sämtlichen Themen nicht nur mit Kompetenz sondern auch mit großer Freundlichkeit und persönlichem Engagement. Mein besonderer Dank gilt meinen Mentoren Dr. Meyer-Lindemann und Dr. Stöcker, die mir viel gezeigt und beigebracht haben. Außerdem danke ich Sebastian Krujatz und Referendarin Laura Titze für die tolle Zusammenarbeit und Stadtführung in Brüssel.
Adrian Franz, Frankfurt
Da war sie also auch schon: Die letzte Woche von „Student meets Practice“. Auch sie war gekennzeichnet von einer Mischung aus täglicher Mitarbeit bei den vielfältigen Mandaten sowie Informations- und Fortbildungsveranstaltungen, die den Einblick in die Arbeit einer Großkanzlei zusätzlich vertieften.
So wurde zu Beginn der Woche bei einem gemeinsamen Mittagessen die Praxisgruppe Antitrust durch Herrn Sebastian Krujatz aus Brüssel per Videokonferenz vorgestellt. Dies war nicht nur ein erneutes visuelles Treffen mit den Praktikanten aus Düsseldorf und München, die wir in der letzten Woche während des Moot Courts und des Kompaktkurses Finanzierung kennen gelernt hatten, sondern uns wurde auch ein weiterer sehr internationaler Tätigkeitsbereich innerhalb von Shearman & Sterling vorgestellt.
Im Zusammenhang mit dem internen Fortbildungsprogramm „ Project Brain“ wurde diese Woche über die Novelle des Umwandlungsgesetzes und dabei insbesondere den „verschmelzungsrechtlichen Squeeze-Out“ referiert. Dies war für mich ganz besonders interessant, da ich in der vorangegangen Woche unter anderem hierfür recherchiert hatte. Den durch die Beschäftigung mit der Materie erlangten tieferen Einblick in das Umwandlungsrecht konnte ich sodann in der alltäglichen Mitarbeit im Bereich M&A umsetzen.
Während der Recherche und dem Schreiben von Memos u.a. zu Fragen des Beurkundungs- oder des Aktienrechts verging die Zeit auch diese Woche einmal mehr allzu schnell. Schon bald war es Freitag und so stand die herzliche Verabschiedung von unseren Mentoren, der verantwortlichen Partnerin Frau Dr. Jansen, den weiteren Anwälten sowie unseren Mitpraktikanten an.
Nach sechs erlebnisreichen, sehr abwechslungsreichen Wochen „Student meets Practice“ kann ich das Programm daher zusammenfassend nur wärmstens empfehlen, insbesondere an Studenten, die bisher eher skeptisch bezüglich der Tätigkeit in einer international operierenden Wirtschaftskanzlei sind.
Jacqueline Schwenk, München
Montagmorgen. Es ist der erste Tag der letzten Praktikumswoche. Ein klein wenig Wehmut kommt auf. Obwohl noch fünf Tage Arbeit vor uns sind, macht sich bereits Abschiedsstimmung breit. Nach dem letzten „Student meets Practice“ Lunch mit einem Vortrag zu der Praxisgruppe Kartellrecht, wird uns bewusst, dass nun schon fast alle Programmpunkte vorbei sind.
Hinzu kommt, dass nicht nur wir Praktikanten unserem Abschied entgegensehen, auch wissenschaftliche Mitarbeiter und Referendare haben diese Woche ihre vorerst letzten Tage bei Shearman & Sterling.
Zur Mitte der Woche stellt sich dann doch noch mal der Alltag ein. Verträge, Vollmachten, Weisungen gilt es kritisch zu lesen und Gesellschafterbeschlüsse vorzubereiten. Auch Recherchen zu den unterschiedlichsten Themen müssen noch vorangetrieben werden.
Schon am Donnerstag findet dann ein kurzes wie angenehmes und offenes Feedbackgespräch mit meinem Mentor statt. Und ehe man sich versieht, ist es Freitag und damit der letzte Praktikumstag. Morgens noch schnell Kuchen für die Kollegen gekauft und ab ins Büro. Schreibtisch aufräumen. Rechercheunterlagen, Memos, Vertragsentwürfe, erstaunlich, was sich in sechs kurzen Wochen alles ansammeln kann. Kurz darauf geht es schon zu einem weiteren Feedbackgespräch, diesmal in größerer Runde, mit den Mitpraktikanten sowie den jeweiligen Partnern und Mentoren. Nun waren wir gefragt Feedback zum „Student meets Practice“ Programm zu geben, zu der Zeit in der Kanzlei und zu dem Moot Court. Mehr als einmal kam der Hinweis, dass sich alle freuen würden, wenn wir weiterhin den Kontakt zu Shearman & Sterling halten würden und bei unseren weiteren Ausbildungsstationen an die Kanzlei denken.
Nach dem letzten gemeinsamen „Brain-Lunch“ wurden wir Praktikanten sowie die Referendare noch mit einem Sektempfang verabschiedet, zudem wir dann auch den am Morgen gekauften Kuchen reichen konnten, um uns für die interessanten und lehrreichen, aber auch lustigen, sechs Wochen zu bedanken.
Zum Schluss bleibt nur zu sagen: Dankeschön und hoffentlich auf Wiedersehen.
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