Die fünfte Praktikumswoche
29. September – 2. Oktober 2008
Benedikt Pignot, München
Nach einer bewegten vierten Woche mit dem Moot Court in Düsseldorf und dem Project Brain Seminar in Köln sind wir drei Praktikanten wieder zurück im Münchner Office. Der Programmplan für diese Woche umfasste die Vorstellung der Praxisgruppe Antitrust durch Dr. Matthias Stöcker sowie die Teilnahme am wöchentlichen Tax Lunch des Fachbereichs Steuern, in dem aktuelle steuerrechtliche Entwicklungen bei einem gemeinsamen Mittagessen besprochen werden.
Ich selbst habe mich ebenfalls für die Praxisgruppe Steuern entschieden. Die Tätigkeit umfasst hier sowohl die Beratung von großen Unternehmen als auch Banken und mittelständischen Unternehmen. Das Betätigungsfeld im Steuerrecht erscheint mir nahezu unbegrenzt und dank meines Mentors Dr. Markus Ernst konnte ich einen sehr großen Einblick in das Aufgabenspektrum eines Steueranwalts bei Shearman & Sterling gewinnen. Fast jeden Tag erwartet mich ein neue Herausforderung, wie bspw. die Behandlung eines Side Step Mergers, von Verlustvorträgen, von Stock Options, die Wirkungsweise von Doppelbesteuerungsabkommen oder Einblicke in eine Tax Due Diligence, um nur einige stichpunktartig zu nennen. Zum Einstieg in die meist sehr komplexe Materie wurden mir stets die ganze Struktur des Unternehmens sowie die relevanten Hintergrundinformationen aufgezeigt, was für das Verständnis von großem Vorteil war.
Der Tagesablauf gestaltet sich sehr unterschiedlich, je nach Mandat. Durch meinen Mentor wurde ich direkt in das Steuerrechtsteam integriert, teilweise mit Rechercheaufträgen, Analysen zur Rechtslage, eigenen Stellungnahmen zu Sachverhalten, Strukturüberlegungen oder in die Unterstützung von Kollegen, welche an Konstellationen mit Bezügen zum Steuerrecht arbeiten. Dabei durfte ich bei zahlreichen Besprechungen und der Korrespondenz mit Kollegen und Mandanten mitwirken.
Zu jeder Zeit bestand die Möglichkeit, sich Anregungen zu seiner Arbeit zu holen oder Fragen zu stellen, was zu einer sehr angenehmen Atmosphäre im Büro beitrug. Dazu kommen noch zahlreichen Veranstaltungen, bei denen man weitere Gelegenheit hat, das ganze Team aus München sowie das aus anderen Standorten näher kennen zu lernen.
Till Hiemenz-Mueller, Frankfurt
Die fünfte Woche meines Praktikums verging nicht nur aufgrund des Tags der Deutschen Einheit viel zu schnell. Durch die Einbeziehung in mehrere Mandate und die unterschiedlichen damit einhergehenden Aufgaben ermöglichen mir meine Mentoren, Herr Dr. König und Herr Schiel, ein möglichst breites Spektrum der anwaltlichen Tätigkeit im Bereich Mergers & Acquisitions, kurz M&A, kennen zu lernen.
So begann die Woche für mich damit, im Rahmen eines Unternehmenskaufs die Kommentierung eines Vertragsentwurfs durch die Gegenseite und die anschließende interne Beratung über die eigene Position, die künftige Verhandlungsstrategie und mögliche Zugeständnisse zu verfolgen. Daneben hatte ich für das Umhängen einer Tochtergesellschaft anlässlich einer Konzernumstrukturierung ein Share Purchase Agreement, kurz SPA, und die für dessen Abschluss erforderlichen Vollmachten zu erstellen – wie der Name schon andeutet, natürlich auf Englisch. Dieses eigenhändige Erstellen besagter Dokumente verdeutlichte mir einmal mehr die unterschiedliche Schwerpunktsetzung im Vergleich zum universitären Alltag: Keine abstrakte Behandlung theoretischer Probleme, sondern vielmehr konkrete Vertragsgestaltung.
Doch es gibt auch Momente, die einem aus dem Studium bekannt vorkommen. Die Literaturrecherche, sei es bezüglich speziell wirtschaftsrechtlicher Probleme wie etwa der Reichweite des Verbots der gleichzeitigen Übertragung mehrerer Teile von GmbH-Anteilen nach § 17 V GmbHG oder sachenrechtlicher Probleme, wie der Zulässigkeit der nachträglichen Änderung eines wesentlichen Bestandteils eines Grundstücks in einen Scheinbestandteil, und das damit einhergehende Wälzen der Kommentare sowie das anschließende Verfassen eines Memos erinnerten mich doch ein wenig an Hausarbeitszeiten.
Abgerundet wurde auch diese Woche durch die Vorstellung einer Praxisgruppe, diesmal der Bereich Antitrust durch Herrn Dr. Stöcker, und dem Brain-Vortrag von Frau Dr. Seelig zum Thema „Einführung in das Internationale Investitionsschutzrecht“ sowie dem abendlichen Besuch des „Buena Vista“ durch die sechs Praktikanten, einen Referendar und einen Legal Assistant des Frankfurter Büros.
Marcus Bsaisou, DüsseldorfNach einer ereignisreichen letzen Woche wurde die fünfte Woche von dem nicht minder abwechslungsreichen und spannenden Kanzleialltag geprägt.
Wie viele der anderen Praktikanten am Standort Düsseldorf arbeite ich im Bereich Mergers & Acquisitions (M&A). Dabei fällt es schwer, das Aufgabenfeld konkret einzugrenzen. Neben der grundsätzlich gesellschaftsrechtlichen Ausrichtung, findet man sich aufgrund der Vielseitigkeit der auftretenden juristischen Fragestellungen des Öfteren auch in entfernteren Rechtsgebieten, wie dem speziellen Immatrialgüterrecht, wieder. Zusätzliche Vielfalt kommt nicht zuletzt dadurch zustande, dass bei Shearman & Sterling die Praxisgruppe M&A auch transaktionsferne gesellschaftsrechtliche Beratung, Corporate genannt, übernimmt. So habe ich mich in der vergangenen Woche zusammen mit einem Mitpraktikanten mit einem Mitarbeiterbeteilungsprogramm auseinandergesetzt. Ebenso unterschiedlich gestalten sich die persönlichen Aufgabenstellungen. Neben Rechercheaufträgen zu speziellen Problemen, deren Ergebnisse dann meistens in einem Vermerk münden, befasse ich mich mit dem Erstellen von Vollmachten und untersuche Vertragsbestimmungen.
Diese Woche begann für mich mit einem erneuten Ausflug in juristisches Neuland. Im Rahmen eines Rechercheauftrages stellte sich die Frage nach der Reichweite einer Verpflichtung des Investmentgesetzes. Der übliche Weg über die Aufsatz- und Kommentarliteratur war jedoch versperrt, weil die erst kürzlich eingefügte Vorschrift dort nicht aufgegriffen worden war. So blieben allein die Dokumente des Gesetzgebungsverfahrens auf nationaler und europäischer Ebene, um den Aussagegehalt der Vorschrift zu erhellen. Überhaupt scheint eine Art von Pionierarbeit regelmäßiger Bestandteil der Mandantenberatung bei Shearman & Sterling zu sein. Schon das erste Mandat, das ich kennen lernte, hatte eine Transaktion zum Gegenstand, die in Deutschland ohne Beispiel war. Die Literatur konnte daher nicht weiterhelfen und die Machbarkeit der geplanten rechtlichen Konstruktion wurde besonders intensiv geprüft werden.
Am Dienstag setze sich die Reihe der Vorstellungen der Praxisgruppen mit einer Präsentation von Dr. Mathias Stöcker über die Arbeit der Praxisgruppe „Kartellrecht“ fort. Die Kollegen aus Frankfurt und München verfolgten den Vortrag wie gewohnt via Video- bzw. Telefonverbindung. Nach dem gemeinsamen Mittagessen erläuterte er uns unter anderem die Schritte bei der Anmeldung eines Unternehmenszusammenschlusses beim Bundeskartellamt Auch machte er uns auf die aus Sicht der betroffenen Unternehmen schmerzhafte Bußgeldpolitik, zu der die Kommission seit kurzem übergegangen ist, aufmerksam.
Im weiteren Verlauf der Woche bekam ich die Gelegenheit, an einer Due-Diligence Prüfung teilzunehmen. Dabei bestand meine Aufgabe darin, zahlreiche Vertragsbeziehungen des Unternehmens zu analysieren und zu dokumentieren. Dabei konnte ich endlich den viel beredeten virtuellen Datenraum kennen lernen, in dem die gesamten zu prüfenden Unterlagen des Unternehmens eingestellt werden.
Nach dieser verkürzten Woche neigt sich das Praktikum leider auch schon dem Ende entgegen. Die viel zu schnell vergangene Zeit habe ich als sehr lehr- und abwechselungsreich empfunden. Nun bin ich gespannt, was die letzte Woche und nicht zuletzt die Abschlussveranstaltung „Brain meets Art“ am kommenden Freitag für uns bereithält.
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