Die fünfte Praktikumswoche
19. - 23. September 2011Jan-Heinrich Ehlers, Düsseldorf
Die fünfte und für zwei Praktikanten aus Düsseldorf auch letzte Woche des SMP-Programms stand sicherlich ganz im Zeichen des Moot Court, zu dem wir am Donnerstag nach Frankfurt reisten.
Nachdem die Vorbereitung auf den Moot Court in den ersten Wochen des Frankfurter Praktikums hinter der Mitarbeit an den aktuellen Projekten der Düsseldorfer European Corporate Gruppe zurückstehen musste, beschäftigte ich mich diese Woche zunehmend mit meinem Vortrag für die Moot Court Verhandlungen. Nach einer ersten Durchsicht des Falls, der Argumente aus einigen dazugehörigen Schriftsätzen und ein wenig Recherche zu den rechtlichen Hintergründen der Fragestellung stand dann schnell eine kurze Gliederung, auf deren Basis ich meinen Vortrag für den Kläger halten würde.
Der eigentliche Moot Court Tag begann für die anderen Düsseldorfer Praktikanten und mich früh morgens um 06:30 Uhr mit der Anreise per Zug. Der vermeintliche Nachteil sehr früh aufzustehen, ließ dann allerdings Zeit den eigenen Vortrag noch einmal durchzugehen, so dass wir letztendlich alle gut vorbereitet die Münchner und Frankfurter Praktikanten bei einem gemeinsamen Frühstück im Frankfurter Büro kennenlernten.
Interessant am Moot Court war für mich, wie sehr sich die einzelnen Verhandlungen trotz gleichen Sachverhalts und trotz gleicher Unterlagen zur Vorbereitung unterschieden. So erhielt ich während meines Vortrags in der ersten Verhandlung nahezu keine Zwischen-fragen, nach Ende meines Vortrags jedoch einige wenige Fragen, die gezielt auf die Schwächen meiner Argumentation hinwiesen und zu deren Beantwortung viel Spontanität erforderlich war. Mein Vortrag in der zweiten Verhandlung dagegen wurde geprägt von häufigen Zwischenfragen, sodass es nicht möglich war den eingeübten Vortrag zu halten, sondern die Informationen aus den Notizen vielmehr flexibel umgegliedert werden mussten. Unterschiedlich war auch der Stil der einzelnen Vorträge, die ich sowohl in den eigenen Verhandlungen, als auch im Finale, in dem mit Benjamin Karcher und Christina Schmidt auch ein Düsseldorfer Team vertreten war, erleben konnte.
Das Programm des nächsten Tages konzentrierte dann wieder auf das Fachliche. In einem Kompaktkurs, wurden wir mit den wichtigsten Aspekten des Themas „Finanzierung“ und deren Behandlung in der Praxis vertraut gemacht. Leider mussten wir Düsseldorfer Praktikanten uns am Ende dieses Tages von zweien unserer Mitstreiter verabschieden, da Irina Klinger und Sören Burdinski ihr Praktikum mit diesem Tag beendeten. Trotz der zwei leeren Schreibtische, die mich für die verbleibende Zeit an diese Lücke erinnern werden, freue ich mich, ab Montag für zwei weitere Wochen wieder voll in die Kanzleiarbeit einsteigen zu können.
Barbara Reid, Frankfurt
„Jetzt wird’s ernst!“ Dieser Gedanke hing nun schon das ganze Wochenende und natürlich auch am Montagmorgen, als ich mein Büro in der Praxisgruppe ‚International Arbitration’ betrat, in der Luft. Die fünfte Woche des Praktikums stand im Zeichen des bevorstehenden Moot Courts.
Die sechzehn Teilnehmer des „Student meets Practice“ Programms waren zuvor in acht Teams aufgeteilt worden, wovon je vier Teams die Klägerin bzw. die Beklagte vertreten sollten.
Mein Teampartner und ich hatten geplant, uns im Laufe dieser Woche mit den Unterlagen zu beschäftigen und eine Strategie für unsere Plädoyers auszuarbeiten. So verschafften wir uns zunächst einen Überblick über den Sachverhalt, die anzuwendenden Schiedsregeln und das UN-Kaufrecht. Anschließend wurde die Vorstellungsreihe der verschiedenen Praxisgruppen fortgesetzt. Herr Dr. Rainer Thum berichtete aus seiner Arbeit als Counsel im Bereich Arbeitsrecht. Den Rest des Montags überarbeitete ich eine Präsentation über die Regelungen des chinesischen Schiedsrechts.
Am Dienstag überprüfte ich die Anlagen einer einzureichenden Schiedsklage, wobei mir Steven Rudmann, der sein Praktikum in der Praxisgruppe ‚Öffentliches Wirtschaftsrecht’ absolviert, eine große Hilfe war. Diese Tätigkeit wurde durch die Vorstellung der Praxisgruppe ‚Capital Markets’ unterbrochen. Jonathan Handyside und Patricia Pehrsson berichteten sehr eindrucksvoll über die Tätigkeiten, die einen Associate in den ersten Jahren erwarten.
Am Mittwochmorgen hatten Steven, mein Moot Court Teampartner, und ich die Gelegenheit unsere Plädoyers auszuarbeiten und zu üben. Mittags fand das allwöchentliche Team Meeting meiner Praxisgruppe statt. Während des Meetings setzten sich die Associates und der Partner gegenseitig über den Stand der laufenden Schiedsverfahren in Kenntnis und besprachen wichtige Dinge des Tagesgeschäfts.
An diesem Donnerstag fand schließlich der lang ersehnte Moot Court statt. Bei einem leckeren Frühstücksbuffet hatten wir die Chance, die Praktikanten der Standorte in München und Düsseldorf kennenzulernen. Die erste Runde des Moot Courts diente allen Teams zur Übung und dazu, dass erhaltene Feedback in der nächsten Runde umzusetzen und sich zu steigern. Nach dem Mittagsbuffet fand das Finale statt, das von einem Frankfurter Team gewonnen wurde. Im Anschluss an das Finale nutzten einige der Praktikanten die Zeit, um das schöne Frankfurt zu erkunden oder die IAA zu besuchen. Der Abend klang dann in geselliger Atmosphäre bei einem tollen Abendessen mit Partnern, Associates, Counseln und Referendaren aus.
Auch den Freitag verbrachten die Praktikanten aus Düsseldorf und München in Frankfurt. Hier fand das eintägige Brain-Seminar „Kompaktkurs Finanzierung“ statt. Frau Dr. Esther Jansen, Herr Winfried Carli und ihr Team brachten uns und Anwälten aus allen deutschen Standorten Begriffe wie High Yield Bonds, Leverage Effekt oder Mezzanine-Kredit näher und gaben einen plastischen Einblick in die Materie.
Leider war nun auch die fünfte Woche des Praktikums zu Ende. Mit etwas Wehmut blicke ich auf die kommende, letzte Woche und freue mich auf die Erfahrungen, die ich noch sammeln darf.
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