Die dritte Praktikumswoche
05. - 09. September 2011



Sören Burdinski, Düsseldorf

Liebes Tagebuch,

die Hälfte (und für mich sogar ein bisschen mehr) ist geschafft! Was sich zunächst liest wie ein Ausruf der Erleichterung ist eher einer des Entsetzens darüber, wie schnell die Zeit hier vergeht.

In der dritten Woche hat man sich eingelebt. Das (zu frühe) Aufstehen, der (zu enge) Hemdskragen, die (auf Grund grobmotorischer Hände schlecht gebundene) Krawatte (dieses Manko ist aber inzwischen mit Hilfe des halben Windsors behoben, ich bin ziemlich stolz!), die mal kürzeren, mal längeren Abende im Büro. Inzwischen wird sogar das Paternosterfahren zum Alltag (eine Runde dauert rein rechnerisch 4:56 Minuten; das will aber noch nachgemessen werden…). Einerseits ziemlich schade, dass die anfängliche Aufregung verflogen ist. Andererseits fühlen sich einige aber sogar so wohl, dass sie ganz spontan den Casual Wednesday einführen und die Krawatte ganz galant im Schrank lassen. Für uns andere Praktikanten war dieses Outfit eines Mitpraktikanten – der ungenannt bleiben möchte – der Schocker der Woche und wurde mit Mobbing ersten Grades (mithin noch ziemlich harmlos) "belohnt". Am Donnerstag war die Krawatte wieder da.

Neben diesen Schauplätzen war natürlich auch in der dritten Woche ein bisschen Arbeit angesagt. Darlehensverträge wollten übersetzt, kleinere sachenrechtliche Fragestellungen gelöst und zu guter Letzt ein Vermerk, der seit knapp anderthalb Wochen "in der Röhre" lag, abgeschlossen werden. Ein ziemlich gutes Gefühl, eine solche Aufgabe abgeschlossen zu haben. Immer wieder tauchen kleine juristische Fragen auf, die mit ein bisschen Rechercheaufwand auch nach einem Jahr Jurastudium beantwortet werden können: kann sich "unser Gegner" auf den Wegfall der Geschäftsgrundlage berufen? Steht ihm eventuell ein außerordentliches Kündigungsrecht zu? Oder ist der Vertrag sogar sittenwidrig? Zu diesen Fragen aus dem allgemeinen Teil des BGB und dem des Schuldrechts gesellen sich reine Konzentrationsaufgaben wie das Korrekturlesen einer Schiedsklage oder das inhaltliche Überprüfen eines Riders.

Das erste Fazit: die Arbeit in der Großkanzlei bietet jeden Tag neue Aufgaben, von großen juristischen Zusammenhängen bis hin zur Kontrolle, ob bei der Due Diligence alle zur Verfügung gestellten Dokumente beachtet wurden. So bleibt der Arbeitstag abwechslungsreich und wirkt viel kürzer als er tatsächlich ist. Für mich ist dadurch die Frage, die ich mir vor dem Praktikum gestellt habe, wie es die Anwälte jeden Tag von 9 bis – mindestens – 21 Uhr aushalten, schon beantwortet: es macht einfach Spaß.

Der Ausblick auf die vierte Woche macht deutlich, dass wahrscheinlich wieder ein bisschen mehr Arbeit auf mich und den Rest des Kompetenzzentrums 10. Etage wartet. Am Donnerstag kommt mein Mentor wieder, der mich zu Beginn meines Praktikums auf Trab gehalten hatte und mir dann zwei Wochen lang durch Urlaub mit Freundin untreu wurde. Es sei ihm gegönnt. So wird dann auch unser Vertretungsmentor von der Doppelbelastung zweier Praktikanten "erlöst".

Bis nächste Woche, dein Sören.


Steven Rudmann, Frankfurt

Es ist Halbzeit, Wahnsinn! Die ersten drei Wochen bei Shearman & Sterling sind wie im Flug vergangen. Auch in dieser Woche konnte ich erneut etliche Eindrücke gewinnen.

Mein Montagmorgen beginnt mit einem umfangreichen Rechercheauftrag für meinen Mentor Hartmut Häselbarth. In den nächsten Stunden mache ich mich also in die Tiefen des europäischen Vergaberechts auf. Doch der Kurztrip nach Europa endet dann doch schon wenige Stunden später, als ich mich plötzlich in „Washington“ wiederfinde. Ein Hauch von Italien umweht dabei den Konferenzraum. Es gibt Pizza und Pasta und im Nachgang eine spannende Einführung in die Praxisgruppe ‚Öffentliches Wirtschaftsrecht’ mit Counsel Joachim Grittmann. Herr Grittmann berichtet über seine langjährige Arbeit bei Shearman & Sterling und lässt anhand ausgewählter Mandate einen umfangreichen Blick in seinen beruflichen Alltag zu.

Am Dienstag setze ich mich eingehend mit dem europäischen Vergaberecht auseinander. Erneut fällt mir auf, wie sehr sich die zu bearbeitenden juristischen Themengebiete in einer großen Wirtschaftskanzlei vom Alltag an der alma mater unterscheiden. Das klingt nach Spannung und ja, angesichts der wirklich positiven Arbeitsatmosphäre und ungewohnter Rechtsgebiete, ist es auch so.

In dieser Woche zeigt sich „Brain-Lunch“ in einem anderen Format. Statt eines Vortrags, stellen Anwälte aus den verschiedenen Praxisgruppen aktuelle Urteile vor und diskutieren im Anschluss leidenschaftlich über mögliche Konsequenzen für die Praxis. Mein besonderes Interesse weckt dabei unter anderem die wortreiche Debatte über das jüngst ergangene BFH-Urteil, das es unter Umständen erlaubt, die Kosten eines Erststudiums oder einer Erstausbildung als Werbungskosten im Rahmen der Einkommenssteuer abzuziehen.

Am Donnerstag und Freitag arbeite ich gemeinsam mit meinem Mentor an einem Wertpapierprospekt. Erneut nehme ich zur Kenntnis, welch hohen Stellenwert die englische Sprache im beruflichen Alltag eines
Wirtschaftsanwalts genießt.

Die Arbeit bei Shearman & Sterling macht mir nach wie vor sehr viel Spaß und ich blicke mit Freude auf die kommenden drei Wochen. ‚Student meets Practice’ wird hier wirklich praktiziert.


Jacqueline Schwenk, München

Nun beginnt bereits die dritte Woche meines Praktikums bei Shearman & Sterling in der Praxisgruppe Tax. Meine Tätigkeiten sind nicht ausschließlich steuerrechtlicher Natur. Recherchen zu Fragenstellungen wie „Welche Rechte können einem Beirat in einer GmbH im Vergleich zur Gesellschafterversammlung bzw. der Geschäftsführung eingeräumt werden?“ oder „Darf ein Beirat aus nur einer Person bestehen und wenn nicht, darf einem Beiratsmitglied ein Mehrfachstimmrecht eingeräumt werden?“ gehören nämlich genauso dazu wie Fragen zur gewerbesteuerlichen Infizierung von eigentlich freiberuflich tätigen Kommanditisten einer GmbH & Co. KG, zu den Möglichkeiten der Übertragung von Verlustvorträgen nach dem Körperschaftsteuergesetz oder zur Bilanzierung von eigenen Anteilen nach BilMoG. Ich will auch nicht verleugnen, dass das Korrekturlesen von Verträgen im Hinblick auf logische juristische Argumentation, aber auch Sprache, Rechtschreibung und Grammatik einen großen Anteil meiner Tätigkeit ausmacht.

Sehr interessant und lehrreich sind die jeweiligen Erläuterungen zu den Verträgen, zur Korrespondenz mit Mandanten sowie das Feedback zu meinen Recherchearbeiten, insbesondere da sich sowohl meine Mentorin Stephanie Bruhn, als auch Johannes Frey, der zuständige Partner der Tax-Praxisgruppe, hierfür viel Zeit nehmen.

Das Gefühl, richtig in der Mandatsarbeit angekommen zu sein, kam diese Woche ebenfalls auf. So durfte ich einen bereits bestehenden Gesellschaftsvertrag nach Wünschen des Mandanten anpassen. Einige Klauseln mussten geändert, andere gelöscht und teilweise neue formuliert werden. Zudem musste man sich immer fragen, ob sich die geänderte Interessenlage in dem Vertrag wiederfindet. Die Tätigkeit von Steuerrechtlern ist also eine ur-juristische. Durch die aktive Einbindung in die Mandatsarbeit war es auch nicht schlimm, an diesem Tag doch länger als bis zu den für Praktikanten üblichen 18 Uhr im Büro zu bleiben. Dass es sich gelohnt hat, merkt man spätestens am nächsten Tag, wenn man sieht, wie viel von dem Vertragsentwurf in die finale Fassung tatsächlich übernommen wurde.

Das Highlight der Woche erlebte ich am Freitag: Ich durfte bei einem Mandanten-Meeting dabei sein. Bei dem schlichten Dabeisein blieb es jedoch nicht. Johannes Frey ermunterte mich auch dazu, einen Teil der Vertrags- bzw. Gesellschaftsstruktur zu präsentieren. So kam ich zu meiner ersten Präsentation vor Mandanten in der Tätigkeit bei einer Großkanzlei.

Der Rest des Freitags klingt mit einer Moot Court-Vorbesprechung mit meinem Teamkollegen ganz gemütlich aus.

So, nun ist Halbzeit. Die ersten drei Wochen vergingen wie im Flug. Und viele interessante Sachen haben wir noch vor uns: Moot Court, Brain-Seminar, Wiesn-Besuch ….


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