Die zweite Praktikumswoche
29. August - 02. September 2011
Irina Klinger, Düsseldorf
In der zweiten Woche stellt sich langsam der Alltag ein. Trotzdem ist es alles andere als langweilig. Die Aufgaben werden mehr und auch umfangreicher.
Den Montagmorgen verbringe ich damit, Recherchen für einen Vermerk zu machen, an dem ich schon die vorherige Woche gearbeitet hatte. Um 12.30 Uhr treffe ich mich mit den anderen Praktikanten zum Lunch. Um 13.00 Uhr finden wir uns dann alle zur Videokonferenz mit den Praktikanten aus den übrigen deutschen Standorten München und Frankfurt ein. Heute wird die Praxisgruppe „Tax“ von Herrn Sälzer aus Frankfurt vorgestellt. Nach einem informativen einstündigen Vortrag beginnen die Einweisung und Vorbereitung für den Moot-Court durch Frau Kläsener, ebenfalls aus Frankfurt. Die Unterlagen sind alle in englischer Sprache verfasst, das Plädoyer soll aber auf Deutsch gehalten werden. Es sollen vor allem unsere rhetorischen Fähigkeiten und der freie Vortrag trainiert werden. Den restlichen Nachmittag verbringe ich damit, den Vermerk zu verfassen und so ist auch schon wieder ein interessanter Tag zu Ende gegangen.
Am Dienstagmorgen erhalte ich einen neuen Rechercheauftrag bezüglich Bezugsrechte in einer AG. Zum Mittagessen geht es - wie jeden Dienstag - ins „Schiffchen“, was immer eine gute Gelegenheit bietet, um sich mit den Mitpraktikanten von den anderen Etagen und mit den Anwälten auszutauschen. Um 15.30 Uhr findet die nächste Praxisgruppen-Vorstellung per Videokonferenz statt. Herr Dr. Laier aus München bringt uns das Thema „Finance“ näher. Er bindet uns mit Hilfe einer Fallstudie in den Vortrag ein, was ich persönlich sehr gut fand. Das Thema war sehr interessant, und da ich in der Uni diesbezüglich auch noch nichts gehört hatte, fand ich den Einstieg durch Herrn Dr. Laier sehr gelungen. So hat er uns vor allem den wirtschaftlichen Teil sehr anschaulich dargebracht. Den restlichen Tag recherchiere ich weiter und bekomme nebenbei noch andere Aufgaben, wie zum Beispiel das Bearbeiten eines Datenraumverzeichnisses.
Der Mittwoch beginnt sehr entspannt bis plötzlich der elektrische Alarm losgeht – Feueralarm! Unsere Stockwerksbeauftragte scheucht uns alle das Treppenhaus hinunter bis zur Sammelstelle im nahegelegenen Park. Alle bleiben aber ganz entspannt und es stellt sich schnell heraus, dass es sich nur um einen Probealarm gehandelt hat. Wir verabschieden uns kurz danach in die Mittagspause und können bei schönem Wetter sogar noch draußen sitzen. Am Nachmittag erhalte ich von meinem Mentor eine kurze Einführung in ein großes Schiedsverfahren, zu dem ich auch gleich eine Aufgabe erhalte. Um 19.00 Uhr treffe ich mich mit meinen Mitpraktikanten vor der Kanzlei und wir machen uns auf den Weg in die Düsseldorfer Altstadt, auf die Ratinger Straße, wo sich eine Kneipe an die andere reiht und sich halb Düsseldorf schon eingefunden hat. So lassen wir den Abend mit einem leckeren Alt ausklingen.
Donnerstag und Freitag verbringe ich hauptsächlich an meinem PC und in der Bibliothek. Am Freitag nehmen wir am Brain-Lunch zum Thema „Verfahren zur Einführung einer Drittelbeteiligung nach dem DrittelbG“ teil.
Und schon wieder ist eine Woche Praktikum vorbei. Die Zeit vergeht wirklich sehr schnell, weil man immer etwas zu tun hat. Mit den zu bearbeitenden Themen ist man meistens noch nie vorher in Berührung gekommen. Dadurch gestalten sich die Aufgaben aber auch spannend und man gewöhnt sich schnell daran, mit immer neuen Sachen konfrontiert zu werden, was zudem auch die eigene Flexibilität erhöht.
So bin ich am Ende der Woche froh, so freundlich in der Kanzlei aufgenommen und in die Arbeit eingebunden worden zu sein. Die angenehme Atmosphäre sowie die bereits routinierte Zusammenarbeit machen auf jeden Fall Lust auf mehr.
Christian Gerecke, Frankfurt
Am Anfang der zweiten Woche habe ich das Gefühl schon seit Wochen hier bei Shearman & Sterling zu sein – nicht etwa aus Langeweile, sondern wegen der vielen und oft umfassenden Aufgaben, mit denen mich mein Mentor Simon Weiß versorgt und mich damit intensiv in seinen Arbeitsalltag als Associate in der Abteilung European Corporate/Capital Markets einbindet. Danach sieht auch mein Schreibtisch hier aus: Aktenberge rechts und links der Tastatur, die Wand hinter dem Bildschirm und der Bildschirm selbst mit kleinen Klebezetteln üppig geschmückt.
Am Montagmorgen recherchiere ich für einen Vortrag, den Simon im Rahmen des „Brain-Lunch“ halten darf. Danach darf ich bei jenem Projekt helfen, dessen Akten die Ellbogenfreiheit auf meinem Schreibtisch bereits so sehr einschränken. Mittags stellt Marc Sälzer die Praxisgruppe „Tax“ vor und kann uns erfolgreich vermitteln, dass Steuerrecht entgegen manchen Gerüchten doch spannend ist! Im Anschluss folgt eine Besprechung zum internen Moot-Court am 22.07., geleitet von Amy Kläsener (beides per Videokonferenz mit den SmP-Teilnehmern aus MU und DD). Anschließend widme ich mich wieder der Due Diligence – der Tätigkeit, die das Leben vieler Associates in einer Großkanzlei bestimmt.
Dienstags verbringe ich fast den ganzen Tag damit, einen Aufsatz zum Thema „High Yield Bond Covenants“ zu lesen (und zu verstehen). Mein Englisch-Vokabular bezüglich Hochzinsanleihen ist dadurch bedeutend gewachsen.
Zwischendurch stellt sich die Praxisgruppe „Finance“ per Videokonferenz vor. Abends arbeite ich nochmals an dem Brain-Vortrag. Am Mittwoch ist „Brain“-Tag, was bedeutet, dass man das Mittagessen in großer Gesellschaft in einem Konferenzraum einnimmt und dabei einem Vortrag zu einem aktuellen juristischen Thema lauschen darf – der heutige Vortrag beschäftigt sich mit dem Zins-Swap-Urteil des BGH. Später habe ich eine Rechercheaufgabe bezüglich der Voraussetzungen einer Bilanz unter den Regelungen von IFRS, IAS und einer EG-Verordnung.
Donnerstags durchsuche ich zusammen mit Percy Lorenz einen virtuellen „Datenraum“ nach sehr speziellen Informationen über ein Unternehmen. Danach sehe ich meine Moot-Court-Unterlagen durch, um mich in den Fall und die verschiedenen Probleme einarbeiten zu können. Freitag; heute ist die Woche wieder vorbei – die Zeit vergeht wie im Flug. Zusammen mit meinem Bürokollegen Tom Langerhans muss eine Frage zur Spaltung eines Vertrages in einer Dreierbeziehung bearbeitet werden – aber wie so häufig entstehen aus einer Frage oft zahlreiche weitere.
Insgesamt haben mir die ersten beiden Wochen sehr gut gefallen. Das familiäre Arbeitsumfeld und die angenehme Atmosphäre haben mich positiv überrascht, denn das hat nicht recht zu manchen Dingen gepasst, die ich in der Uni über Großkanzleien gehört habe. Auf jeden Fall freue ich mich sehr auf die kommenden vier Wochen!
Clara Freißmuth, MünchenNachdem sich pünktlich zu unserem ersten wohlverdienten Wochenende das Hochsommerwetter verabschiedet hatte, starteten wir Praktikanten bei deutlich angenehmeren Temperaturen und schönerem Büro-Wetter in unsere zweite Woche bei Shearman & Sterling.
Vieles war uns nun (nach nur wenigen Tagen Praktikum) schon bekannt und vertraut: vom Programmpunkt der Praxisgruppenvorstellungen über die Kaffeemaschine, die gemeinsamen Mittagessen in großer Runde, den Dresscode und die Tradition des Casual Friday zum wöchentlich stattfindenden Brain-Lunch-Vortrag, dessen zunächst recht kryptisch klingende Themen einem im Laufe des Mittagessens doch verständlich und zumindest in den Grundzügen nähergebracht werden. Nicht weniger schnell gehörten zum Bekannten und Vertrauten aber auch die sehr offene und freundliche Atmosphäre und die Selbstverständlichkeit, mit der wir Praktikanten in den Tagesablauf der Kanzlei miteingebunden werden, an Besprechungen (in meinem Fall z.B. am wöchtenlichen Finance-Call) teilnehmen und uns Unbekanntes erklärt wird.
Nachdem ich mich zu Beginn meiner ersten Woche in der Praxisgruppe Finance ebenfalls mit vielen unbekannten Begriffen, englischen Vertragswerken, Konzernstrukturen und gesellschaftsrechtlichen Fragestellungen konfrontiert sah, in die ich mich neu einarbeiten durfte, war ich sehr erfreut, von meinem Partner-Mentor in ein aktuelles Mandat eingeführt zu werden, das erstaunlich großen Bezug zu dem hatte, was ich bereits in Sachenrechtsveranstaltungen in der Uni gehört hatte. Bisher waren mir Sicherungskonstellationen und Konkurrenzen von Sicherungsgebern untereinander vor allem als abstrakte und konstruiert wirkende Sachverhalte mit recht klaren dogmatischen Lösungen untergekommen, während für das hier zugrundeliegende (und deutlich komplizierte!) Beziehungsgefüge die verschiedenen Sicherungsverträge konkret auf dem Tisch lagen und die Interessen der beteiligten Parteien noch deutlicher auszumachen und zu beziffern waren als bei Sicherungsgeber S, Bank B, Gernot Gierig oder Kunde K aus dem Uni-Fall. Meine Aufgabe war es nun, die bereits herausgegebenen Handlungsempfehlungen dogmatisch nachzuvollziehen und zu noch offenen Fragestellungen, die bisher noch nicht direkter Verhandlungsgegenstand waren, anhand der Verträge, Rechtsprechung und Sachenrechtsdogmatik Stellung zu nehmen. Sehr spannend zu sehen fand ich, dass es sich in der Praxis gerade nicht um einen vorgegebenen, statischen Sachverhalt handelt – immer wieder musste ich neu eingetroffene Informationen oder die Ergebnisse einer in der Zwischenzeit erfolgten Verhandlung der Parteien einarbeiten, bisherige Lösungsansätze modifizieren und neu geschaffene bzw. ans Licht getretene Problemstellungen bewältigen. Gerade die Gespräche mit meinem Mentor über das Mandat machten dabei immer wieder deutlich, wie wichtig es ist, einerseits an sehr konkreten Rechtsfragen zu arbeiten und nach einer klaren dogmatischen Lösung zu suchen, gleichzeitig aber nie den Überblick zu verlieren, sondern immer den großen Zusammenhang des Falls zu berücksichtigen sowie alle möglichen Konsequenzen, Interessenskonflikte und mögliche Einwände der Gegenseite durchzuspielen. Herausfordernd, aber auch sehr spannend und lehrreich…
Mitten drin waren wir Praktikanten jedoch nicht nur in unseren jeweiligen Fällen und Aufgaben, sondern auch bei den sozialen Aktivitäten der Anwälte, Referendare und wissenschaftlichen Mitarbeiter wie den vielen gemeinsamen Mittagessen oder dem lustig-entspannten „Nachwuchsstammtisch“ über den Dächern Münchens als Ausklang dieser wieder wie im Flug vergangenen Praktikumswoche und Einläutung des Wochenendes.
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