Die erste Praktikumswoche
23. - 27. August 2010


Jan-B. Fischer & Maurice Zomorrodi, Düsseldorf

Aller Anfang ist schwer. Und so brauchten wir am Montagmorgen etwas länger, um den Eingang zur Kanzlei unserer Wahl zu finden. Als wir es jedoch endlich geschafft hatten, stießen wir im Eingangsbereich unvermittelt auf die vielleicht süßeste Versuchung seit es Praktika gibt: den Paternoster. Der Vorstehende wurde von uns Praktikanten unverzüglich ins Herz geschlossen und in der ersten Woche exzessiv genutzt.

Nachdem der erste Ritt auf dem Paternoster nach nur anderthalbstündiger Fahrt schon auf der fünften Etage sein jähes Ende nahm, lernten wir unsere Mitpraktikanten kennen und verbrachten den Rest des Montags mit der obligatorischen EDV-Einführung und einführenden Worten der Senior Partner in Amerika, unterbrochen nur von einer kulinarischen Expedition ins unweite Neu Delhi, zusammen mit unseren sehr freundlichen und offenen Mentoren.

So richtig ins Anwaltsleben starteten wir dann am Dienstagmorgen: Nach kurzer aber prägnanter Einführung in die aktuellen Mandate unseren jeweiligen Mentoren, fanden sich vier der insgesamt sechs Praktikanten in Düsseldorf auf der 10. Etage ein und begannen in dem geräumigen Büro mit gigantischer Aussicht mit der sofortigen Erledigung unserer interessanten und vielseitigen Arbeitsaufträge. Zu unseren Aufgaben gehörte nicht nur die inhaltliche Kontrolle von Fußnoten sondern auch das Schreiben von kurzen Vermerken oder die Erstellung von Powerpoint-Präsentationen.

Wie bei Shearman & Sterling Dienstagmittags üblich, gingen auch wir an diesem, unserem ersten Dienstag, gemeinsam mit allen Anwälten und Referendaren in die traditionsreiche Brauerei „Zum Schiffchen“ und nahmen Platz an dem Tisch, auf dem schon Napoleon und seinen Generälen im Jahre 1811 Wiener Schnitzel (nur echt mit Kalbsfleisch) und Braumeistersteak kredenzt wurde. So zumindest die Legende.

Am Donnerstag stand sowohl die Vorstellung der Praxisgruppe Finance als auch die Vorbesprechung des am 16. September in Frankfurt anstehenden Moot Courts auf dem Programm. Doch es kam alles ganz anderes. Dem Engagement von Giuseppe Sferrazza und Matthias Decker haben wir es zu verdanken, dass wir noch am gleichen Tag an der Hauptversammlung eines Mandanten teilnehmen durften. Im Düsseldorfer Kongresszentrum kämpften wir sodann nicht nur gegen eine Übermacht von Aktionären um belegte Brötchen, Buletten und Kaffee sondern konnten auch einen überaus aufschlussreichen Blick hinter die Kulissen werfen.

Nachdem wir am „casual friday“ aufgrund fehlenden Mutes bei der Auswahl unserer Arbeitskleidung am Morgen die Vorbesprechung des Moot Courts in Anzug und Schlips nachgeholt hatten, nahmen wir anschließend an unserem ersten Brain Lunch teil. In entspannter Atmosphäre, bei Ente oder Pizza – je nach Gusto des Teilnehmers – lauschten wir andächtig dem sehr interessanten Vortrag über Squeeze-Outs.
Glücklicherweise fanden wir am Freitag außerdem endlich zu einem gesunden Verhältnis zu dem schier unendlichen Angebot an exotischen Säften und Früchten zurück.

Allerdings endete unsere erste Woche nicht am Freitagabend. Bereits am Mittwoch hatten wir uns beim Fußballtraining in der Soccerhalle in die Herzen der Associates und damit zugleich in die Startaufstellung des diesjährigen Two Birds-Cups gespielt. Dieser fand am Samstag bei wechselhaftem Wetter, unter der Schirmherrschaft der lokalen Polit-Prominenz sowie unter dem strengen Regiment eines ehemaligen Fifa Schiedsrichters statt. Bei dieser Gelegenheit lernten wir nicht nur den Kapitän, Carlos Robles y Zepf, sondern auch die Associates Carsten Bernauer und Aliresa Fatemi näher kennen und schätzen. Obgleich der mit viel übersicht agierende Abwehrchef Michael Mitt sein Team stets unter Kontrolle hatte, musste der eigens für den Two Birds-Cup aus Frankfurt angereiste Torwart Felix Klose öfter hinter sich greifen als von uns geplant war. Und so krönten wir eine überaus ereignisreiche und spannende Woche zwar nicht mit einem sportlichen Erfolg dafür aber in geselliger Runde.

Schließlich möchten wir noch eine weitere Anwältin im Düsseldorfer Büro lobend erwähnen: Natalie Daghles. Leider konnte sie uns beim Two Birds-Cup nicht als Stürmerin unterstützen, ist aber dafür täglich mit einer offenen Tür, einem offen Ohr und interessanten Aufgaben für uns da, um uns über unseren mäßigen sportlichen Erfolg hinwegzutrösten.

Christian Hermann, Frankfurt

Am 23.08.2010 pünktlich um 9:00 Uhr früh fanden sich fünf Praktikanten im Eingangsbereich der Kanzlei in Frankfurt ein. Nach einem kurzen Beschnuppern, sowie einer Begrüßung durch Frau Dr. Jansen, eine Partnerin der Kanzlei, begann die Einweisung, die zunächst allgemeine Funktionsabläufe, sowie später den Umgang mit der EDV-Software beinhaltete.

Die Schulung wurde unterbrochen durch die Mittagspause, welche wir damit verbrachten, die uns zugeteilten Mentoren bei einem gemeinsamen Mittagessen kennenzulernen. Dabei war es in angenehmer, ungezwungener Atmosphäre möglich, mit dem jeweiligen Mentor, in meinem Fall Dr. Andreas Löhdefink, sowohl über das Arbeitsumfeld, als auch über persönliche Dinge zu plaudern.

Nachdem der zweite Teil der EDV-Einweisung beendet war, wurden wir von unseren Mentoren abgeholt, um mit unserer Praxisgruppe bekannt gemacht zu werden. Wie mir schon vormittags mitgeteilt wurde, war ich der Praxisgruppe M&A zugeteilt worden.

Den Rest des Tages verbrachte ich dann damit, erste Vertragsentwürfe eines aktuellen Mandats bezüglich eines geplanten Unternehmenskaufs zu studieren, um mich mit der Materie vertraut zu machen.

Nachdem ich auch den Vormittag des zweiten Tages größtenteils mit den durchweg auf Englisch gefassten Verträgen verbracht hatte, zeigte uns Bibliothekarin Frau Sannino, wie sich im Präsenzbestand, aber auch in Internetportalen, oder den Bibliotheken der anderen Standorte Literatur finden und beschaffen lässt, sodass uns eine selbstständige Recherche nun möglich war. Diese war ab dem nächsten Tag auch dringend erforderlich, da wir nun mit eigenständig auszuführenden Vorbereitungsaufgaben in unseren jeweiligen Praxisgruppen beauftragt wurden.

Mittags fand schließlich der „Brain Lunch“ statt, bei dem wöchentlich ein Referent aktuelle Probleme aus seinem Praxisbereich vorstellt, während in lockerer Atmosphäre gegessen und diskutiert wird. Auch wenn das Thema „Beendigung von Beherrschungs- und Ergebnisabführungsverträgen von M&A-Transaktionen – steuerrechtliche Aspekte“ eher speziell war, ist dieses interne Fortbildungsprogramm allemal auch für die Praktikanten interessant, da es insbesondere einen Eindruck der Problembereiche der alltäglichen Anwaltsarbeit vermittelt.

Donnerstags fand im Rahmen eines gemeinsamen Mittagessens die Vorstellung der Praxisgruppe Finance statt, bei der uns die Zusammenhänge finanzierungrechtlicher Fragen, sowie insbesondere der Unternehmensrestrukturierung aufgezeigt wurden.

Freitags fand schließlich die Vorstellung des Moot Courts per Videokonferenz statt. Dabei wurde intensiv auf Fragen und Unklarheiten eingegangen, sodass es uns nunmehr möglich ist, uns eigenständig auf diesen vorzubereiten. Nachdem der Rest des Tages schließlich wieder intensiv der Arbeit in der jeweiligen Praxisgruppe – ich beschäftigte mich mit aktueller Rechtsprechungsentwicklung im Bereich des „squeeze out“ von Minderheitsaktionären, gewidmet wurde, neigte sich die erste Praktikumswoche auch schon ihrem Ende entgegen.

Zusammenfassend lässt sich daher sagen, dass wir bereits in der Kürze der ersten Woche mehr als nur oberflächliche Eindrücke von den Arbeitsabläufen in einer Großkanzlei erhalten haben, die als bloßer Vorgeschmack auf die fünf vor uns liegenden Wochen definitiv Lust auf mehr machen.


Lucas Jürss, München

Montag – 22.08.2010
Der erste Tag! Nachdem ich am Vorabend schon ausgeguckt hatte, an welcher Pforte ich an meinem ersten Praktikumstag denn Einlass verlangen müsse, konnte ich es mir sparen diesen Morgen auch sechs Mal die Straße hoch und runter zu laufen, um nach der Eingangstür zu suchen. Das Klingelschild, welches „Shearman & Sterling“ ab dem vierten Stock des Gebäudes ankündigt, finde ich heute sofort. Mit dem Aufzug geht es nach oben. An der Rezeption werde ich freundlich begrüßt und in einen Besprechungsraum geführt, wo ich erstmals meine Mitpraktikantin und meine(n) Mentor(en) kennen lerne. Ziemlich bald darauf werden wir Praktikanten dann eine Etage weiter runter geführt, um uns in die Firmensoftware einweisen zu lassen. Viel mehr als die verschiedenen Programme kann ich hier erstmals eine Telefonkonferenz bestaunen. Ziemlich cool! Um 13:00 Uhr dann werden wir von unseren Mentoren zum Mittagessen abgeholt, wo wir in netter Atmosphäre viele weitere Anwälte, Referendare und Praktikanten kennen lernen können. Um (fast) pünktlich 14:00 Uhr geht es dann auch mit dem Computertraining weiter. Erst danach werden wir zu den uns zugeordneten Schreibtischen geführt, wo wir vor der Bibliotheksführung kurz unsere Sachen ablegen können. Später wartet dann aufgrund eines Geburtstages im Hause sogar noch ein Stück Kuchen auf uns. Es ist 17:30 Uhr und wir kriegen frühzeitig frei. Die Nervosität hat sich ein wenig gelegt und ein spannender erster Tag geht zu Ende.

Dienstag – 23.08.2010
Um 9:00 Uhr geht es los. Wie der Zufall es so will, werde ich ausgerechnet an einen Schreibtisch gesetzt, an welchem ich in dem mir gegenüber sitzendem Praktikanten, einen Kommilitonen aus einem älteren Jahrgang meiner Hochschule erkenne. Die Welt ist klein. Da mein Mentor für die Woche außer Haus ist, werde ich von meinem Ersatzmentor in einen ersten Fall eingewiesen und darf nachdem ich mich mit dem Sachverhalt vertraut gemacht habe, in gemeinsamer Arbeit mit dem bei meinem Arbeitsplatz sitzenden Praktikanten, welcher im Gegensatz zu mir bereits in seiner letzten Woche des Praktikums ist und dementsprechend auch am Vortag nicht bei der IT-Einführung war, mit Recherche und dem Erstellen einer Lösungsskizze beginnen. Das ganze mit strafrechtlichem Bezug, was mich ganz besonders freut. Ich bin in die Abteilung Corporate – M&A eingeteilt und meine erste Arbeit hat strafrechtlichen Bezug. Zu sehen, dass das Tätigkeitsfeld eines Anwaltes auch innerhalb einer, so meint man, festgelegten juristischen Nische so weit seien kann, freut mich und ist für mich die Erfahrung des Tages.

Mittwoch – 24.08.2010
Als ich diesen Morgen um 9:00 Uhr antrete, werde ich gleich mit einem weiteren Fall vertraut gemacht und beginne nach ausführlichem Studieren des Sachverhaltes mit weiterer Recherchearbeit. Irgendwie realisiert man nur schwer, dass es sich bei den Kürzeln und Namen, welche man in den verschiedenen Schreiben und Sachverhaltsdarstellungen liest, um echte Menschen handelt, welche tatsächliche Probleme haben. Erst langsam kommt die Umstellung von dem Unidenken à la „der X will jetzt halt was vom Y, aber nun gut, wen interessiert das schon?“ zu der Erkenntnis, dass es bei den Dokumenten, welche man jetzt liest, tatsächlich um etwas geht. Das motiviert und macht neugierig. Man möchte eher noch einmal die Seite mehr über den Fall lesen und erfahren. Eine Erfahrung die in der Uni für mich eher selten aufkam. Innerhalb der ganzen ersten Woche ist das für mich die aufregendste Erfahrung.

Gekrönt wird dies von einem Mittagessen gemeinsam mit den Mentoren und anderen Anwälten. Es wird viel Wert auf ein gemeinsames Mittagessen unter den Anwälten und Referendaren (und sogar den Praktikanten) gelegt, was ich sehr sympathisch finde. Erstmal weil Essen in Gesellschaft einfach besser schmeckt und man sich quasi gar nicht „nicht“-integrieren kann, weiterhin aber auch, weil dieses Ritual auch meine Befürchtung verwischt, in einer Kanzlei zu arbeiten, in welcher es zu reserviert zugeht. Da dies mein erstes Praktikum in einer Großkanzlei ist, war ich vor allem von dem offenen Umgangston und dem – soweit ich das nach drei Tagen eben einschätzen kann – unheimlich guten Arbeitsklima doch sehr positiv überrascht.

Donnerstag – 25.08.2010
Um kurz nach 9:00 Uhr beginne ich, wieder gemeinsam mit einem anderen Praktikanten, an einem Vermerk zu arbeiten. Innerhalb eines vorgegebenen Templates müssen die Probleme eines Falles aufgezeigt und behandelt werden. Jetzt ausformuliert und nicht wie noch zu Beginn der Woche in einer Lösungsskizze. Am Nachmittag findet die Vorstellung der Praxisgruppe Finance statt. Zu diesem Anlassen wird uns Praktikanten und Referendaren auch ein Lunch bereitgestellt, welches die Fülle an Informationen und in meinem Fall „Fremdwörtern“ leichter verdauen lässt. Es gibt noch sehr, sehr viel zu lernen, aber spannend bleibt es auf jeden Fall.

Freitag – 26.08.2010
In einer Telefonkonferenz um 11:30 Uhr werden eine weitere Praktikantin, welche mit mir in München Teil des „Student meets Practice“-Programms ist und ich über den Praktikanten-Moot Court aufgeklärt. Am 16. September 2010, also nach drei Wochen des Praktikums, sollen wir jeweils in zweier Teams zu einem ausgewählten Fall gegeneinander Moot Court-Reden vorbereiten und vortragen. Extra dafür werden alle Praktikanten die Teil des „Student meets Practice“-Programms bei Shearman & Sterling sind an den Frankfurter Standort reisen um diesen Moot Court gemeinsam als Ganztagesevent abzuhalten.

Zu Mittag wird wie jeden Freitag das sog. „Friday Lunch“ abgehalten. In einem Besprechungsraum wird gemeinsam gegessen, während ein Referendar oder Anwalt einen Vortrag über ein aktuelles Rechtsthema hält.

Um 18:00 Uhr läutet das Wochenende ein und eine erfahrungsreiche und spannende, sehr positiv erlebte erste Woche geht zu Ende.


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